Am 16. Januar 2026 erschien in der Rheinpfalz der Artikel „ ‚Anonyme‘-Frontmann Edsel: Die AfD spricht nicht für die Pfalz”. Die Ausführungen in dem Beitrag zeugen von einem derart stark eingeschränkten Demokratieverständnis, dass hier ausnahmsweise darauf eingegangen werden soll.
Zur Verwendung des Begriffs „Rattenfänger“
Der im Interview verwendete Vergleich, wonach Parteien wie die AfD als „Rattenfänger“ agierten, ist nicht harmlos, sondern hochproblematisch. Wer von „Rattenfängern“ spricht, stellt die Gefolgschaft implizit als willenlose, zu manipulierende Masse dar – historisch wie sprachlich ist die Assoziation eindeutig. In Deutschland, mit seiner Geschichte der Entmenschlichung politischer Gegner und gesellschaftlicher Gruppen, ist eine solche Bildsprache nicht nur unangebracht, sondern verantwortungslos.
Unabhängig von der politischen Haltung ist festzuhalten: Millionen Wähler pauschal zu Objekten einer Verführung zu erklären, widerspricht dem Geist der Demokratie, die vom mündigen Bürger ausgeht – nicht vom zu belehrenden Untertanen.
Zur Frage, „für wen“ die AfD spricht
Die AfD beansprucht weder, „für die ganze Pfalz“ zu sprechen, noch tut sie dies anders als andere Parteien. Wie jede demokratische Partei vertritt sie die Interessen ihrer Wähler, nicht die einer imaginierten kulturellen oder moralischen Gesamtheit.
Der Vorwurf fehlender Legitimation ignoriert einen zentralen demokratischen Grundsatz: Legitimation entsteht durch Wahlen, nicht durch kulturelle Selbstzuschreibung oder moralische Deutungshoheit.
Wer behauptet, eine Partei spreche „nicht für die Pfälzer“, obwohl sie von vielen Pfälzern gewählt wird, stellt faktisch nicht die Partei, sondern die Wahlentscheidung der Bürger infrage.
Zur demokratischen Stellung der AfD
Die AfD ist eine zugelassene, gewählte und seit Jahren parlamentarisch vertretene Partei, die sich auf allen Ebenen dem demokratischen Wettbewerb stellt.
Dass sie nicht verboten ist, liegt nicht an Nachsicht, sondern daran, dass sie innerhalb der geltenden Rechtsordnung agiert.
Die seit der Parteigründung bestehende und nunmehr wieder stark zunehmende Tendenz, die AfD nicht argumentativ, sondern moralisch, kulturell oder institutionell zu delegitimieren, ist kein Zeichen demokratischer Stärke, sondern von argumentativer Schwäche.
Wo politische Gegner nicht mehr inhaltlich gestellt werden, wird zur Diffamierung gegriffen – ein Muster, das der politischen Kultur insgesamt schadet.
Zur undifferenzierten Darstellung von Migration
Die im Interview vertretene Sicht auf die reale Migration bleibt auffallend pauschal.
Hier ist klarzustellen, dass die AfD Migration nicht grundsätzlich ablehnt, sondern klar zwischen zwei Arten der Migration unterscheidet, nämlich zwischen
- kontrollierter, qualifikationsbasierter Arbeitseinwanderung einerseits
- und überwiegend illegaler, ungesteuerter Massenzuwanderung über das Asylsystem andererseits.
Fakt ist:
- Bei Syrern lag 2025 die Asyl-Ablehnungsquote – insbesondere bei alleinreisenden Männern – bei 99%, bei Iranern bei 73%. Auch Afghanistan hat Ablehnungsquoten die über dem Durchschnitt liegen.
- Der überwiegende Teil der Migranten stammt aus sicheren Drittstaaten.
- Es handelt sich in vielen Fällen um Wirtschaftsmigration, nicht um Schutz vor Verfolgung.
- Generell ist jeder der zu Fuß, Auto oder Zug über eine deutsches Landesgrenze einreist laut Art. 16 Abs. 2 GG als Asylbewerber anzulehnen, da er aus einem sicheren Drittstaat kommt. Der Asylantrag ist somit verfassungsrechtlich ausgeschlossen.
Die AfD befürwortet ausdrücklich ein punktebasiertes Einwanderungssystem nach dem Vorbild klassischer Einwanderungsländer wie Kanada oder den USA – orientiert an Qualifikation, Bedarf und Integrationsfähigkeit.
Gerade die unkontrollierte Migration, die politisch jahrzehntelang verharmlost wurde, trägt maßgeblich zu den Problemen bei, die im Interview selbst benannt werden: Überlastete Schulen, Bildungsungerechtigkeit, Wohnungsnot und soziale Spannungen.
Zur Frage, wer „für die Pfalz spricht“
Auch Herr Merz spricht nicht „für die Pfalz“, sondern für eine überschaubare, politisch klar positionierte Gruppe, die sich überraschenderweise noch immer von unseren politischen Wettbewerbern mobilisieren lässt.
Dass Parteien wie SPD, Grüne, CDU und Linke – flankiert von staatlich geförderten NGOs – zunehmend auf Straßenmobilisierung statt auf politische Lösungen setzen, ist kein Zufall. Nach Jahrzehnten politischer Fehlentscheidungen in Energie-, Migrations-, Sozial- und Wirtschaftspolitik ist eines klar geworden:
Eine echte Kehrtwende würde das eigene Versagen offenlegen.
Die AfD argumentativ zu stellen, würde bedeuten, sich mit den eigenen Widersprüchen auseinanderzusetzen – und genau das wird vermieden. Stattdessen wird moralisiert, etikettiert und ausgegrenzt.
Schlussbemerkung
Demokratie lebt vom offenen Streit der Argumente, nicht von moralischer Abwertung, kultureller Selbstüberhöhung oder sprachlicher Entmenschlichung politischer Gegner. Wer ernsthaft um die Demokratie besorgt ist, sollte damit beginnen, die Wähler anderer Parteien als gleichberechtigte Bürger zu respektieren – auch dann, wenn deren Entscheidungen unbequem sind.
